Seite auswählen

Hautaufbau und -Funktionen

Die Haut ist das größte Organ des menschlichen Körpers

Sie kann ein Gewicht von 3,5 bis 10 kg und die Größe von 1,5 – 2 m2 erreichen. Von der darunter liegenden Lederhaut grenzt sich die Oberhaut mit einem Grundhäutchen (Basalmembran) ab. Auf ihr liegen zylindrische Zellen, die durch Zellteilung die Hornschicht ständig ergänzen. Die darin enthalte- nen Farbstoffe (Pigmente) bilden einen Schutz gegen die ultravioletten Strahlen des Sonnenlichts.

Die Unterhaut wird von Fettgewebsläppchen gebildet, die durch Bindegewebsabschnitte in Kammern geteilt sind. Je nach Ernährungszustand des Körpers ist die Unterhaut unterschiedlich stark ausgeprägt. Ihre Masse kann 10 bis 20 kg umfassen, bei übergewichtigen Menschen ein Vielfaches davon. Bei starker Verschlackung und Übersäuerung deponiert der Körper zahlreiche, oft toxisch beladene, „Abfallprodukte“ im Unterhautgewebe. Solche Belastungen können sich an der Hautoberfläche widerspiegeln: die Haut altert schneller, verliert ihre Elastizität, erscheint aufgedun- sen oder trocken, wird schuppig oder fett.

Die Haut erfüllt viele wichtige Funktionen:

  • Passiver und aktiver Schutz gegen schädliche Einflüsse von außen und gegen Wasserverluste
  • Regelung des Wärmehaushalts
  • Sinnesorgan: Berührungs-, Tast-, Temperatur- und Schmerzempfindung
  • Beteiligung an der Kreislaufregulation
  • Absonderung (Sekretion) von Talg
  • Abgabe von Schlackenstoffen (Exkretion) durch die Schweißdrüsen■ Atmungsorgan
    ■ Ausdrucks- oder Signalorgan

Die oberste Schicht der Oberhaut besteht aus verhornten, abgestorbenen Zellen, die an der Kopfhaut als Schuppen bekannt sind. In der Hornhautschicht liegen 10 – 20 Lagen von Hornplättchen über- einandergestapelt. Durch die Bildung neuer Hornhautplättchen werden die aufgebrauchten nach außen abgedrängt und alle zwei Wochen nach ihrer Entstehung abgeschilfert. Jede Schicht ist von einem feinen Saum aus Hornschichtlipiden umgeben, der als eine Schutzbarriere für die lebenden Epidermiszellen fungiert. Diese Barriere dichtet die Haut ab und verhindert, dass Körperwasser ver- loren geht oder Mikroorganismen in die Haut eindringen können.

Damit der Organismus nicht zu viel Feuchtigkeit verliert, sondern Talgdrüsen auf der Hautoberfläche Fett ab. Es sind zunächst die Mono-, Di- und Triglyceride, die von den Talgdrüsen produziert werden. Ferner Wachse, freie Fettsäuren, Squalen (ölige Terpenkohlenwasserstoffe) sowie Hornschichtlipide, Ceramide, Cholesterin, freie Fettsäuren und geringe Mengen anderer Lipide.

Die Hautalterung beginnt bereits ab dem 30. Lebensjahr. Schädliche Einflüsse, wie besonders inten- sive Sonneneinstrahlung oder Nikotin beschleunigen diese Entwicklung. Die Haut wird dünner, trockener, sie altert rascher und bedarf einer intensiveren Pflege. Ab 40 erneuert sich die Haut nur noch mit halber Geschwindigkeit, die einzelnen Hornzellen werden dadurch größer und die Haut schuppiger. Die Sauerstoffaufnahme nimmt um bis zu 40 Prozent ab, die Gefäße werden abgebaut, die Durchblutung gedrosselt.

Die Geschmeidigkeit der Haut wird durch Wasser erwirkt. Der Wassergehalt der oberen Hornschicht liegt bei junger Haut zwischen 10 und 20 Prozent des Gesamtwassergehaltes im Organismus. Die Haut erhält ihre Feuchtigkeit durch Wasser aus tieferen Schichten (transepidermales Wasser) und aus der normalen Schweißsekretion. Es kann durch ver- schiedene Faktoren, wie zum Beispiel extreme Lufttrockenheit, vermehrt nach außen abgegeben werden. Dabei unterliegen besonders exponierte Stellen wie das Gesicht oder die Hände einem erhöhten Wasserverlust. Je nachdem, wie dieser zustande kommt, unter- scheidet man zwischen aktivem, glandulären und passivem, extraglandulären bzw. transepider- malem Wasserverlust. Der etwa 10 Prozent umfassende Wasseranteil der Hornschicht wird durch die sog. Feuchtigkeitshalter gebunden. Dazu gehören Salze wie Lactate, Phosphate, Chloride, Citrate, Harnstoff, aber auch freie Fettsäuren, die in den hydrophilen Hohlräumen zwischen den Doppelschichten gelagert werden.

Ein saures Milieu ist verantwortlich für die Synthese der epidermalen Lipide. Sie setzen sich haupt- sächlich aus Ceramiden (40%), freien Fettsäuren (25%) und Cholesterin (25%) zusammen. Die Synthese der besonders wichtigen Ceramide wird von einem zur Gruppe der sauren Hydrolasen zugehörigen Enzym katalysiert. Der Schweiß enthält Milchsäure und verschiedene Aminosäuren, die hauptsächlich aus den Schlackendepots im Unterhautgewebe stammen. Hinzu wird aus dem Verhornungsprozess die Pyrrolidoncarbonsäure gebildet.

Folgen der Übersäuerung

Unsere Haut soll uns vor ungünstigen Umwelteinflüssen schützen. Eine schwierige Aufgabe, wenn man bedenkt, dass sie täglich mit unzähligen Säuren konfrontiert wird, die aus der Umwelt und vom Körperstoffwechsel kommen. Es sind z.B. die körpernatürlichen Säuren: Hyaluronsäure, Citronensäure und Milchsäure und die körperfremden: Malein-, Fumar- oder Salicylsäure. Säuren können nicht nur geschädigte, sondern auch intakte Hornhautschichten durchdringen und zu den lebenden Epidermiszellen gelangen, wo sie in aller Regel eine Reizung hervorbringen. Fast jeder von uns hat einmal die Erfahrung mit Säureneinwirkung auf die Haut gemacht, Juckreiz- sowie Blasenbildung erlebt – z.B. durch den unmittelbaren Kontakt mit Ameisen oder Brennnesseln.Säuren wirken zerstörend auf alle Hautschichten. Bei starker Reizung kann der Körper sogar die betroffenen Hautpartien abstoßen (dieses Prinzip machen sich die sog. Kosmetischen Schälkuren zu Nutze).

Neben externen Einflüssen können sich auch interne Faktoren negativ auf das Hautbild auswirken:

■ Ernährungsfehler, hoher Zucker-, Kaffee- und Alkoholkonsum, tierische Fette.

■ Zunehmende Verschlackung des Mesenchyms.

■ Mangelnde Diurese bzw. Verdauungsschwäche. Bei ungenügender Entgiftung via Leber und Nieren fungiert die Haut als Notausgang für toxische Stoffe.

■ Einnahme allopathischer Arzneimittel, Kontrazeptiva und andere Noxen.
■ Nährstoffdefizite, insbesondere ein Mineralstoff- und Spurenelementmangel.■ Gärungsprozesse im Darm.

■ Rückgang der basischen Anteile (Vitamine und Mineralstoffe) in Obst und Gemüse aufgrund von Monokulturanbau, saurem Regen, schnellem Abernten und der massiven Verwendung von Pestiziden. Ein Beispiel: Der Kalziumgehalt in den Kartoffeln nahm zwischen 1985 und 1996 um 60%, in Brokkoli um 68% ab; der Magnesiumgehalt nahm in Möhren um 57% und in Spinat um 68% ab!*

Mögliche Symptome bei Übersäuerung:

Kopfschmerzen, Sodbrennen, Zahnfleischbluten, Haarausfall, Hautpilze, Blähungen, Hämorrhoiden, Neigung zu Allergien, Hautkrankheiten, Rheuma, Arthrose oder Gicht, Osteoporose, Gereiztheit, psychische Labilität, Müdigkeit.

„Säureschutzmantel“ und saure Körperpflege

Der physiologische pH-Wert der „gesunden“ Haut wird gegenwärtig mit Mittelwerten zwischen 5,2 bis 5,7 angegeben. Wie wird eigentlich der „normale“ pH-Wert der Haut ermittelt? Seit dem Ende der Fünfziger Jahre werden ausgesuchte Bundeswehrsoldaten, also junge Menschen im Altervon 18 bis 25 Jahren, als mustergültige Beispiele zur Ermittlung der „gesunden“ Werte für die Allgemeinmedizin getestet. Jede aktuelle Norm z.B. für die Blutfettwerte und den Harnsäurespiegel aber auch für die pH-Werte der Haut wird in dieser Population ermittelt und der Durchschnittswert auf die gesamte Bevölkerung übertragen. Interessanterweise lag der durchschnittliche pH-Wert der Haut in den Sechzigern noch bei 6,0 bis 6,2 – heute sind es dagegen nur noch 5,0 bis 5,5!

War unsere Haut immer so sauer?

Mit dem Wohlstand und der Industrialisierung der Nahrung nahmen auch zahlreiche Zivilisationskrankheiten wie Rheuma, Gicht, Diabetes, Neurodermitis, Psoriasis oder Cellulite zu. Durch denaturierte Nahrung, Fastfood, hohen Zucker-, Kaffee-, Fleisch- und Alkoholkonsum sowie eine explosionsartige Zunahme der Umweltgifte wurde unsere Haut einer bisher nie dagewesenen Säureflut von außen und von innen ausgesetzt. Die körpereigenen Puffersysteme wurden dabei mehrfach überfordert und der Körper begann, die überschüssigen Säuren im Unterhautgewebe zu deponieren. Mit Talg und Schweiß gelangen immer wieder saure Bestandteile aus den Unterhautdepots nach außen, lösen Hautunreinheiten, Ekzeme und Juckreiz aus.

Viele der sauren Bestandteile an der Hautoberfläche stammen aus den Schlackendepots im Binde- und Unterhautgewebe und haben mit der normalen Hautbeschaffenheit nichts zu tun. Leider hat man bei den ersten Hautanalysen die sauren Bestandteile der Haut für „normal“ gehalten. 1928 haben Schade und Marchionini erstmalig der Begriff Säureschutzmantel eingeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Bezeichnung fast von der gesamten Kosmetikindustrie übernom- men. Dabei ist man auf die Idee gekommen, Gleiches mit Gleichem zu behandeln, d.h. den pH-Wert der Körperpflegeprodukte dem gegenwärtigen pH-Wert der Haut anzupassen. So wurde die saure Körperpflege geboren und der verheerende Denkfehler nahm seinen Lauf.

Nach der Einführung der ersten sauren Körperpflegeprodukte vor über vierzig Jahren konnten kurz- fristig einige Erfolge bei problematischer Haut (wie z.B. bei atopischen Erkrankungen) beobachtet werden. Die „pH-Wert-Neutralen“ (5-5,5) und in Wirklichkeit sehr sauren Produkte bewirken, dass die an die Hautoberfläche beförderten Säuren wieder zurück ins Unterhautgewebe verfrachtet wer- den. Dadurch wird eine vorübergehende Besserung von Ausschlag und Juckreiz erzielt. Dabei wer- den jedoch nur die Symptome der Krankheit „ausgeschaltet“ und nicht ihre Ursachen beseitigt. Seit vielen Jahrzehnten wird die Funktion des Säureschutzmantels diskutiert. Zunächst stand die indirekte mikrobiologische Abwehr und die direkte Schutzwirkung vor alkalischen Noxen im Vordergrund. Diese klassischen Erkenntnisse über die Bedeutung des sauren pH-Wertes für die Haut werden jedoch durch neuere biochemische und molekularbiologische Untersuchungen zunehmend widerlegt. Auch die Vorstellung, dass im sauren Milieu pathogene Keime an ihrer Ausbreitung gehindert werden und die Ekzembildung vermieden wird, erweist sich immer wieder als falsch.

Noch nie war die Zahl der atopischen Erkrankungen und bakteriellen Hautinfektionen so hoch wie im letzten Jahrzehnt (Tendenz weiterhin steigend), also in einem Zeitraum, indem sich die saure Körperpflege in Deutschland und anderen Industrieländern allgemein etabliert hat!